Einfach mal im grünen Wald spazieren gehen
Saarländer trifft man überall auf der Welt, heißt es. Die SHS-Foundation hat Dieter Gräbner, den langjährigen Lokalchef der Saarbrücker Zeitung gebeten aufzuschreiben, wie und wo sie leben.
Thomas Rauber, Jahrgang 1962, wuchs in Oberthal auf, besuchte dort die Volksschule, ging dann auf das Gymnasium in St. Wendel, wo er 1981 Abitur machte. 1982 wurde er zur Bundeswehr eingezogen, und nach 15 Monaten bei einer Nachschub-Einheit in Diez an der Lahn, begann er dann in Karlsruhe ein Informatik-Studium. Dass er mal in Brasilien, in Vitoria, der Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Espirito Santo, als Informatik-Professor brasilianische Studenten unterrichten würde, "habe ich mir damals nicht vorstellen können“, erzählt er am Telefon. Der Weg nach Brasilien führte über Portugal, über die Universiade Nova de Lisboa, wo er an einem Forschungsprojekt arbeitete und 1995 promovierte. Zwischen Lissabon und der Universität im brasilianischen Vitoria gab es Kontakte. Rauber fuhr, aus Neugierde und aus Abenteuerlust, wie er erzählt, nach Vitoria, um dort "nur vorübergehend“ zu arbeiten. Es kam anders: "Ich lernte dort meine Frau Christina kennen. Sie war eine Kollegin des Professors, mit dem ich zusammen arbeitete.“ Inzwischen ist er selbst Professor für Informatik, hat zwei Kinder, Artur, 9, und Julia, 11, "und es sieht so aus, als ob ich auch die nächsten Jahre in Brasilien bleiben werde.“ Zwar hat er 2005 versucht zurück ins Saarland zu kommen und sein Recht auf ein sogenanntes Post-Doktoranden-Studium wahr genommen und in Kaiserslautern als "ausländischer Forscher“ gearbeitet: "Wir haben in Oberthal gewohnt und meine Kinder besuchten in dieser Zeit die selbe Schule wie ich. Es war ein voller Erfolg, weil meine Kids jetzt eine gute Grundlage in Deutsch haben.“ Er ist so oft es geht im Saarland: "Ich habe meine Verbindungen immer gepflegt. Wenn ich heute, 25 Jahre nach meinem Weggang aus meinem Heimatdorf dorthin zurückkehre, werde ich ständig gefragt: "Wie lang bleibsche?“
Als ihn die SHS Foundation fragte, ob er SHS Sympathieteamleiter werden wollte, hat er gern zugesagt. Inzwischen hat er viele Kontakte geknüpft, hat Saarländer und auch Luxemburger getroffen, die für den Stahlkonzern Arbed in Brasilien unterwegs waren: "Aber die sind bald auch wieder geschäftlich weggereist. Wir haben eine Art Emigrantentreff organisiert. Hier gibt es ein paar Deutsche und Österreicher. Wir treffen uns regelmäßig.“
Das Leben in Vitoria? "Zur Zeit ist es 35 Grad warm. Vitoria ist eine der reichsten Städte Brasiliens, liegt am Atlantik, hat einen großen Erzhafen. Der Verkehr ist lebensgefährlich. Ich fahre mit dem Fahrrad in die Uni. Die Heimat vermisse ich schon sehr. Man kann sich das nicht vorstellen, was man vermisst: Den grünen Wald zum Beispiel und darin spazieren gehen zu können. Es gibt kein Schwenkerfest, weder im Wald noch bei einem Nachbarn. Man sehnt sich nach den heimatlichen Klängen, der Lebensart, nach den Menschen, die einfach fragen: Hallo, wie geht es? Man sehnt sich einfach nach Dehemm. Auch mal nach einem Wetterumschwung. Im brasilianischen Winter wird es in diesen Breiten nicht kälter als 18 Grad.
Haben Sie fragen an Professor Dr. Thomas Rauber? Suchen Sie Kontakte in Brasilien? Schrieben Sie uns. Wir leiten ihre Fragen gerne weiter.



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