In Detroit klingt die Obama-Euphorie ab

09:05 | 2010-02-22

Susanna Piontek, freie Autorin und Sprachwissenschaftlerin

Saarländer trifft man überall auf der Welt, heißt es. Die SHS-Foundation hat Dieter Gräbner, den langjährigen Lokalchef der Saarbrücker Zeitung gebeten aufzuschreiben, wie und wo sie leben.

Susanna Piontek ist freie Autorin und Sprachwissenschaftlerin. Seit 2006 in Bloomfield/USA, einem Vorort von Detroit. Sie ist mit einem amerikanischen Germanistik Professor verheiratet, wuchs im Ruhrpott auf, studierte an der Ruhr-Uni in Bochum und schloss mit dem Magister Artium in den Fächern Sprachlehrforschung, Geschichte und Anglistik ab. 1992 kam sie  als  wissenschaftliche Mitarbeiterin an die Saar-Uni nach Saarbrücken. Für das  SR-Kulturradio schrieb sie von 1996 bis 2006 Literaturkritiken. Soweit die Kurz-Vita einer gescheiten und humorvollen Autorin, deren Kurzgeschichten und Gedichte vorwiegend in deutschen Anthologien veröffentlicht wurden. 2005 erschien ihr Buch "Rühlings Erwachen“, in dem ein gewisser Dr. Holger Rühling die Hauptrolle spielt. Rühling ist Gerichtsmediziner. Auf seinem Seziertisch liegt  plötzlich die Leiche seines Doppelgängers... Die Saarbrücker Zeitung urteilte damals: "Susanna Piontek interessiert sich für Menschen. Ihr Blick gilt dem Nachbarn, dem Bekannten, uns. Ihre Helden kämpfen mit Liebe, Angst, Sehnsüchten – oder eben mit dem Tod.“
14 Jahre Saarland, und nun, seit 2006, die Autostadt Detroit, die gerade die größte Krise ihrer Geschichte erlebt? Wie lebt man da? Was vermisst man?
"Ja, ja, das Saarland. Ich habe die meiste Zeit der 14 Jahre in Hanweiler an der französischen Grenze gelebt. Und wie gerne bin ich oft rüber gewandert nach Sarreguemines. Ich denke gerne zurück. Ich vermisse hier die Menschen aus dem Saarland, ihre Herzlichkeit, ihre Art zu leben. Gerade hat mich ein Freund aus Mettlach besucht, und demnächst kommt eine Freundin aus Neunkirchen. Ich freue mich über jeden Kontakt zum Saarland“, sagt sie, als wir miteinander telefonieren. Sie schwärmt von der Saarbrücker Kulturszene, von der Alten Feuerwache, von der Szene am St. Johanner Markt. Und von der Saarbahn. "Detroit hat keine öffentlichen Nahverkehrsmittel. Ohne Auto ist man hier  verloren. Die Auto-Lobby, um nicht zu sagen, the Big Three, die großen Drei, Ford, Chrysler und GM haben ein öffentliches Nahverkehrssystem in der Stadt boykottiert.“ Die derzeitige Situation in Detroit? "Die Menschen hier sind verzweifelt. Die Obama-Euphorie klingt ab. Die Arbeitslosigkeit in Detroit liegt derzeit bei 15 Prozent. Die Kriminalität ist hoch...“  Sie schreibt weiterhin Gedichte und Kurzgeschichten, viele mit saarländischem Hintergrund und ist Mitglied in der deutschen Schriftstellervereinigung "Die Kogge“. "Wenn ich  kann, bin ich mindestens ein Mal im Jahr in Deutschland, und natürlich auch bei den Freunden im Saarland. Hier habe ich wunderschöne Jahre verlebt.“ 
Drücken wir Ihr die Daumen. Vielleicht kommt sie bald wieder nach Saabrücken. Der Conte-Verlag in Saarbrücken ist auf sie aufmerksam geworden. Verlagsleiter Roland Buhles sagt: "Ihre Kurzgeschichten könnten gut in unser Programm passen.“
 
Haben Sie Fragen an Susanna Piontek? Suchen Sie Kontakte in Detroit? Oder anderswo in den USA? Ihre Meinung interessiert uns.
 
 
 
 

 

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