Geothermiekraftwerk im Saarland geplant

Freitag, 05.02.2010

Essener Enro sucht Standorte – Bad Rilchingen denkbar – Bürgermeister äußert Skepsis

as Essener Energie-Unternehmen Enro will im Saarland ein Geothermiekraftwerk zur Strom- und Wärmeerzeugung bauen. Ein möglicher Standort ist Bad Rilchingen.
Saarbrücken. Das börsennotierte Essener Unternehmen Enro Energie SE will das Saarland zum Vorreiter in der Großnutzung von Erdwärme machen. Diese soll laut Enro für die Stromerzeugung und für Fernwärme genutzt werden. Enro Energie hat dafür sieben Standorte im Saarland im Visier. Abgeschlossen seien die Untersuchung bereits in Bad Rilchingen, sagte gestern der gebürtige Saarlouiser Karlheinz Bund (84), früherer Steag- und Ruhrkohle-Vorstandschef. Er ist mit 75 Prozent der Anteile Mehrheitsgesellschafter bei Enro. „Wir wollen das erste unserer Geothermie-Kraftwerke hier im Saarland bauen und damit den Kraftwerksstandort Saar aufwerten“, sagte Bund.
Da die Energiepolitik in der saarländischen Jamaika-Koalition in einem grünen Umweltministerium angesiedelt ist, hofft Bund auf politischen Flankenschutz. Aus Rilchingen gab es gestern jedoch Widerspruch. „Der Aufsichtsrat der Projektgesellschaft Thermalbad sieht die Tiefen-Geothermie äußerst kritisch“, sagte der Vorsitzende des Gremiums, Kleinblittersdorfs Bürgermeister Stephan Strichertz (parteilos). „Die Bohrungen würden in eine Tiefe von mehr als 5000 Metern gehen, und zudem haben wir in punkto Finanzierung noch erhebliche Bedenken.“ Um das geplante Thermalbad umweltfreundlich mit Strom und Wärme zu versorgen, setze der Aufsichtsrat derzeit auf Oberflächen-Geothermie eines anderen Unternehmens. Die Löcher würden bei dieser Lösung nur bis zu 80 Meter tief gebohrt.
Gründungsversammlung
Karlheinz Bund ist dagegen ein leidenschaftlicher Verfechter der Tiefen-Geothermie. „Diese grüne Energie unter unseren Füßen ist CO&-2;-neutral, ist grundlastfähig und steht ganzjährig zur Verfügung; die Vorräte sind unbegrenzt.“ Die Enro habe ein Einheitskraftwerk mit einer Leistung von sechs Megawatt elektrisch und 35 Megawatt Wärme entwickelt. Solch eine Anlage könne sofort gebaut werden.
Die Planungen sehen Bohrungen bis zu einer Tiefe von 5000 Metern vor, dort herrschen rund 175 Grad Celsius Wärme. Über eingepresstes Wasser und eine Art Wärmetauscher würde das heiße Gestein angezapft. Das heiße Wasser treibt dann oberirdisch eine Stromerzeugungsturbine an.
Das Investitionsvolumen für eines dieser Standard-Kraftwerke beziffert Bund auf 75 Millionen Euro. Eine Doppelanlage mit zwölf MW elektrischer und 70 MW thermischer Energie verspricht er für 135 Millionen Euro zu bauen. Ein ähnliches Projekt wie im Saarland werde in Brandenburg vorbereitet, Kraftwerke in Nordrhein-Westfalen sollen folgen.
Am kommenden Montag findet in Saarbrücken die Gründungsversammlung der Saarland Geothermie KG statt, die mit einer Million Euro Kapital ausgestattet werden soll. Gründungsmitglieder, die Bund nicht nennen will, stünden bereit – von Industrieunternehmen und Turbinenhersteller bis zu Stadtwerken – darunter auch eines aus dem Saarland.
Wo soll das das Geld für den Bau herkommen? Bund rechnet vor: Bei 135 Millionen Euro für ein Doppelkraftwerk brauche man 40 Millionen Eigenkapital, das von den KG-Gründern und Finanzinvestoren kommen soll. Die fehlenden 95 Millionen will Bund von der Europäischen Investitionsbank (EIB) in Luxemburg und aus einem Sonderprogramm der staatlichen KfW-Förderbank beschaffen. Zudem soll Kapital an den internationalen Märkten gesucht werden.
Die Projektentwicklung soll bis zum Herbst abgeschlossen sein. „Wenn die Finanzierung steht, benötigen wir rund zwei Jahre Bauzeit.“ Die Betriebszeit sei auf 20 Jahre ausgelegt. Auf diese Zeit wird die Einspeisung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) mit 24 Cent pro Kilowattstunde Strom vergütet. ur/leh
Zur Person
Karlheinz Bund stammt aus Saarlouis und macht dort im Jahre 1943 am Gymnasium Abitur. Als Elektroingenieur arbeitete er als Werksleiter bei AEG in Berlin und ging später in die Energiebranche.
Bund stieg zum Chef des Essener Steinkohlenkraftwerks-Betreibers Steag auf und führte später die Essener Ruhrkohle. Dort schied er mit 60 Jahren aus und gründete „einen Tag später mein eigenes Unternehmen, die Enro“, wie er erzählt. Der 84-Jährige, der heute in Essen und in Saarlouis lebt und Saarlandbotschafter ist, hat sich der Idee verschrieben, in Deutschland die Stromerzeugung mit Tiefen-Geothermie-Kraftwerken einzuführen. ur