,,In Chile lebt es sich sehr angenehm“

10:01 | 2010-03-22

Saarländer trifft man überall auf der Welt, heißt es. Die SHS Foundation hat Dieter Gräbner, den langjährigen Lokalchef der Saarbrücker Zeitung gebeten aufzuschreiben, wie und wo sie leben.


Dirk Röttges, Jahrgang 1967, aufgewachsen in Saarbrücken-Burbach, Abitur in Saarbrücken am Otto Hahn Gymnasium und Betriebswirtschaftsstudium an der Saar-Uni, ist ein Mann, der permanent an Fernweh zu leiden scheint. Als Schüler war er in England, während seiner Ausbildung zum Industriekaufmann bei Saarstahl absolvierte er ein zweimonatiges Praktikum bei einem Werkzeugmaschinenhersteller in Taiwan, bevor er sechs Monate in Kanada jobbte. Als er 1994 sein BWL-Studium mit dem Diplom an der Saar-Uni abgeschlossen hatte, gönnte er sich eine drei ein halb Monate lange Auszeit in Australien. Doch dann war erst mal Pause mit dem Fernweh und  der Sehnsucht nach der großen weiten Welt. Bei General Electric in Freiburg im Breisgau hatte er vergeblich auf eine Chance für einen Auslandseinsatz gehofft. Auch bei anderen deutschen Unternehmen, für die er arbeitete, zum Beispiel bei der Vertriebsfirma für Dental-Medizinische Artikel in Rodgau bei Frankfurt, bei der er Qualitätsmanager war, gab es ebenfalls keine Chance für einen Job im Ausland. Kurz entschlossen fuhr er mit Antje Hess, seiner Lebenspartnerin, die er in Frankfurt kennen gelernt hatte, nach London, und gründete dort mit zwei Partnern die Firma Venturehaus, eine Unternehmensberatung, spezialisiert auf Beratungen und Training in der Finanzbranche: "Ich arbeitete in London, lebte aber in Freiburg im Breisgau, dank Internet und Easy Jet. An der Gesellschaft, die weltweit tätig ist und heute mehr als zehn Mitarbeiter beschäftigt, bin ich immer noch beteiligt.“ 2006 entschlossen sich beide für das ganz große Abenteuer. Sie wanderten aus nach Chile. "Antje hatte schon ein Jahr in Chile gelebt und im Süden des Landes in der Tourismus-Branche gearbeitet, und wollte unbedingt wieder dahin“, erzählt er. "Und das haben wir dann auch gemacht.“ Doch erst mal musste die Bürokratie besiegt werden. Für die Einreise und die Genehmigung, sich mit einer eigenen Firma selbstständig zu machen, brauchten sie nicht nur einen gültigen Reisepass, sondern auch ein Gesundheitszeugnis und ein polizeiliches Führungszeugnis: "Wir mussten außerdem noch genügend Eigenkapital nachweisen, um die ersten Monate auch ohne Einnahmen überstehen zu können.“ Im November 2006 kamen sie in Chile an, gründeten unverzüglich ihre Firma, die "Hess y Röttges Marketing Solutions Limitada“ in Santiago de Chile. Die selbst gestellten Aufgabengebiete des Unternehmens, das inzwischen fünf Mitarbeiter beschäftigt, sind vor allem "Lösungen im IT-Bereich. Wir entwickeln Internet-Auftritte in Spanisch, Englisch und Deutsch für Zahnärzte, Versicherungen, Banken und Verbände, sowohl in Chile als auch in Deutschland und in England.“ Inzwischen ist das junge Unternehmen etabliert.

Antje Hess und Dirk Röttges leben in der Sechs-Millionen Stadt Santiago de Chile in einem Appartementhaus, ähnlich wie in  Downtown New York. "Unten sitzt ein Portier. Wir haben entsprechenden Service. Das Klima ist mild. Wir haben jetzt Winter, aber es ist 20 Grad warm. Seit dem Ende der Pinochet-Diktatur ist Chile ein aufstrebendes Land.“ Der Diktator Augusto Pinochet hatte während seiner Amtszeit von 1973 bis 1990 mindestens 3 000 Regimekritiker umbringen lassen und mindestens 28 000 Chilenen wurden gefoltert, so hat es später die nationale "Kommmission für Wahrheit und Versöhnung“ ermittelt: "Heute ist Chile ein demokratischer Staat. Die Chilenen sind sehr deutschfreundlich. Und Chile boomt. Chile hat eines der höchsten Konjunkturprogramme weltweit auf den Weg gebracht. Im Gegensatz zur Nordamerika und Europa ist dieses Konjunkturpaket aus Rücklagen aus dem Boom der Kupferpreise und nicht aus Schulden finanziert. Das Geld fließt vor allem in den sozialen Bereich, in die Infrastruktur, in Bildung und Ausbildung auch für junge Unternehmer, vor allem auch für junge Unternehmerinnen.“ Und wie lebt es sich  sonst in Santiago de Chile? "Sehr angenehm, beinahe europäisch. Die größte Supermarktkette in Chile gehört einem Deutschen. Da gibt es fast alles. Das einzige, was man hier nicht findet, ist saarländischer Fleischkäse.“ Saarländer hat er auch schon getroffen: "Eine saarländische Studentin. Sie hieß Gina und war aus Hostenbach. Und außerdem einen  Unternehmensberater aus Dudweiler.“ Heimweh ins Saarland?: "Ich telefoniere häufig mit meiner Familie. Und vielleicht ergibt es sich bald auch für uns mal wieder nach Hause zu kommen.“
 
Haben Sie Fragen an Dirk Röttges? Suchen Sie Kontakte nach Chile? Ihre Meinung interessiert uns.
 

 

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