,,Öl vor Sao Tome“ oder ,,Der Fluch der Ressourcen“

08:45 | 2010-05-25

Dr. Gisa Weszkalnys, Ethnologin

Saarländer trifft man überall auf der Welt, heißt es. Die SHS Foundation hat Dieter Gräbner, den langjährigen Lokalchef der Saarbrücker Zeitung gebeten aufzuschreiben, wie und wo sie leben.

Die Ethnologin Dr. Gisa Weszkalnys wuchs in Saarbrücken auf, ging auf die Marienschule – zunächst bis zur 11. Klasse. Dann, als sich die Chance bot mit dem AFS, dem American Field Service, ein Austausch-Schuljahr in Südafrika zu absolvieren, griff sie sofort zu. Sie besuchte eine Oberschule in der Nähe von Pretoria. Und von da an war sie infiziert vom Fernweh-Virus, der sie nicht mehr losließ. Doch bevor sie immer wieder die Koffer packen konnte, setzte sie zielstrebig erst einmal ihre Ausbildung fort. In Saarbrücken musste sie an der Marienschule wegen des verlorenen Jahres eine Klasse nachholen. Abitur 1995. Sie ging nach Berlin, studierte an der Hochschule der Künste Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation und an der Humboldt Universität Afrika-Wissenschaften. 1997 - da war sie 22 Jahre alt - fuhr sie für sechs Wochen nach Eritrea und Äthiopien, "bevor ich an der Universität in Cambridge“, wie sie erzählt, "das, was man hier in England Social Anthropology oder Ethnology nennt, studierte.“ In den Ferien packte sie immer die Koffer. Vier Wochen durchstreifte sie Indien. 1998 war sie unterwegs in Tansania und in Sansibar. In der Zwischenzeit war sie wieder in Berlin, wo sie für die Universität Cambridge die "Entwicklung des vereinigten Berlins nach dem Mauerfall 1989 am Beispiel des Alexanderplatzes“ erforschte: "Das war das Thema meiner Doktorarbeit.“ 2004 hat sie in Cambridge promoviert, und seit 2007, jetzt an der Universität Oxford angestellt, arbeitete sie an einem Forschungsprojekt der Universität Cambridge, für das sie insgesamt etwa ein Jahr Feldforschung in dem afrikanischen Inselstaat Sao Tome und Pricipe durchführte. "Sao Tome liegt im Golf von Guinea, etwa 200 Kilometer vor der Küste Afrikas westlich von Äquatorialguinea und Gabun. Der kleine Staat hat gerade mal 200 000 Einwohner, also ein Fünftel des Saarlandes, und ist 1000 Quadtratkilometer groß“, erzählt sie. "Sao Tome ist eine ehemalige portugiesische Kolonie. Man vermutet, dass es vor der Küste Öl gibt. Es wird aber noch nicht gefördert. Doch es gibt schon Investoren: Chevron, Texaco, Exxon. Es wurden auch Förderrechte an China verkauft. Wie bereitet sich Sao Tome darauf vor, ein Ölförderland zu sein? Das war das Thema meiner Untersuchung.“ Frage: Wird man am Beispiel von Sao Tome also beobachten können, wie  sich die Gesellschaft entwickelt angesichts des zu erwartenden Booms? Das lockt doch Spekulanten, Glücksritter, auch  machthungrige Diktatoren, oder? Sie sagt: "Ökonomen, und viele Leute in Sao Tome glauben heute, dass so was wie einen Fluch der Ressourcen gibt. Diesen versucht man nun abzuwenden. Daher hat man viel getan, um die Abgeordneten, die Politiker, die Administration und die Zivilgesellschaft darauf vorzubereiten.“
Seit Oktober 2008 ist Gisa Weszkalnys nun an der Universität Oxford ein so genannter College Lecturer für Ethnologie. Spätestens  im Sommer 2010 will sie wieder nach Afrika, dieses Mal nach  Angola: "Da gibt es ein neues Forschungsprojekt, für das ich mich interessiere.“ Und wie lebt es sich in Oxford? "Sehr angenehm, sehr englisch. Ich mag die Stadt.“ Saarländer hat sie noch keine in Oxford getroffen, "obwohl es unter den Studenten wahrscheinlich auch junge Leute aus dem Saarland gibt. Hier studieren viele Deutsche.“
 
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