Warum zeigt man nicht, wie Kartoffeln angebaut werden?

08:00 | 2010-04-13

Dr. Christan Antz

Saarländer trifft man überall auf der Welt, heißt es. Die SHS Foundation hat Dieter Gräbner, den langjährigen Lokalchef der Saarbrücker Zeitung gebeten aufzuschreiben, wie und wo sie leben.

Der Kunsthistoriker und Kulturmanager Dr. Christian Antz, Jahrgang 1961, Referatsleiter im sachsen-anhaltischen Wirtschaftsministerium in Magdeburg und Dozent – unter anderem – an der Martin Luther Universität in Halle/Saale hat, "eigentlich immer ein wenig Sehnsucht nach Dehemm." Sein Dehemm ist in Losheim, wo er, der einzige Sohn eines Metzgermeisters aufwuchs, die Volksschule besuchte, und wo er  - so oft er kann - mit Ehefrau Marianne, einer Juristin, und seinem Sohn Christian, neun Monate alt, seine Mutter besucht. Und die "freut sich natürlich, und dann wird geredet, über die Familie, die Nachbarn und gudd gess wird auch. Und das ist wichtig, oder?“  Sein Geheimrezept für gute Salate beispielsweise ist saarländischer Melfor-Essig, und zu einer guten Lyoner, die er "vakuumverpackt immer mit nach Magdeburg mitnimmt, gehört Amora-Senf.“ Wie kommt man mit solchen Vorlieben nach Magdeburg?
Nach dem Abitur am Johanneum 1980 in Saarlouis und Studium der Kunstgeschichte, Philosophie, Politik und Germanistik und Promotion mit einem Promotionsstipendium der Friedrich Naumann Stiftung über süddeutsche Barockarchitektur in Trier suchte er einen Job: "Aber zu Hause im Saarland gab es nichts. Und da kam das Angebot aus Magdeburg. Das war 1982.“ Das Angebot war "als Projektmanager das touristische Landesprojekt Straße der Romanik – Reise ins Mittelalter durchzusetzen. Da mussten die Vertreter von 70 Städten und Gemeinden unter einen Hut gebracht werden. Das war nicht einfach. Es ging um die erste Tourismusstraße in Ostdeutschland.
Das Projekt gelang. Fortan wurden ihm weitere touristische Entwicklungsaufgaben übertragen: "Blaues Band – Wassertourismus in Sachsen–Anhalt“ und "Gartenträume - Historische Parks in Sachsen-Anhalt“.
Bei soviel Aufgaben und Engagement bleibt die Berufung in Ämter und Funktionen nicht aus: Antz war von 1997 bis 2005 Mitglied im Denkmalrat des Landes Sachsen-Anhalt. Seit 2003 ist er Mitglied in der Deutschen Gesellschaft für Tourismuswissenschaft und seit 2007 Vorsitzender des Verbandes "Gartennetz Deutschland – Bundesverband regionaler Garteninitiativen“: "Der Gartentourismus ist im Kommen. Die Menschen interessieren sich für die Natur, für das Wachsen und Werden, warum diese Pflanzen und nicht jene bei uns angebaut werden.“ Als wir über das Thema Gartentourismus reden, erzählt er vom "Projekt Gärten ohne Grenzen im Saarland-Frankreich-Luxemburg. 24 Gärten gehören dazu, unter anderem  der sechs Hektar große Garten von Schloss Karlsbrunn, der Barockgarten in Perl, der Pfarrgarten in St. Peter in Merzig und der Bauerngarten in Tünsdorf.
Den Deutsch-Französischen Garten in Saarbrücken, der nicht zum Projekt gehört, findet er "einfach nur nett." Um mehr Besucher in den DFG zu locken, müsse man ein Marketing-Konzept entwickeln: "Man muss vielleicht zeigen, wie man Kartoffeln anpflanzt, auch wie man das früher gemacht hatte. Die Menschen wollen auch in Gärten ihrer regionalen Geschichte begegnen."
Zur Zeit betreibt er in Losheim Familienforschung: "Die Familie Antz hat einen langen Stammbaum“, erzählt er stolz. "Das interessiert mich." Aber er freut sich auch auf die Rückkehr nach Magdeburg: "Ich habe einen anspruchsvollen interessanten Job. Und so fremd bin ich ja nicht mehr in Sachsen-Anhalt. Außerdem habe ich schon sechs Saarländer getroffen. Wir kommen regelmäßig zusammen, trinken was und essen was Gutes und reden einfach, oft über dehemm.“
 
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