Rückblick: Chinas neue Weltordnung: Von der globalen Fabrik der Welt zum globalen Innovationstreiber
Wie Chinas Aufstieg globale Märkte verändert – und welche Konsequenzen sich daraus für deutsche Unternehmen ergeben.
Die SHS Foundation lud am 24. Juni 2026 gemeinsam mit ihrem Kooperationspartner IHK Saarland zu einem zukunftsweisenden Dialog ein. Im Fokus stand die Frage, wie sich die Volksrepublik von der einstigen „verlängerten Werkbank“ zu einem der führenden Innovationszentren der Erde entwickelt hat und was dies für die deutsche Wirtschaft bedeutet.
Die beiden Saarlandbotschafter Frank Sieren und Peter Legner beleuchteten das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln und lieferten wertvolle Impulse für die anwesenden Gäste.
In seiner Keynote zeichnete der renommierte China-Experte Frank Sieren die wirtschaftliche Entwicklung Chinas aus der Makroperspektive nach. Er machte deutlich, dass der Westen den Wiederaufstieg des Landes lange Zeit unterschätzt hat. China habe sich längst von der Rolle als reine Fabrik der Welt verabschiedet. Das Jahr 2026 markiert aus seiner Sicht einen historischen Tipping Point: China ist an die Weltspitze zurückgekehrt und versteht es zunehmend, seine wirtschaftliche Stärke auch in politische Macht umzumünzen.
Besonders plastisch wurde dieser Wandel am Beispiel der Metropole Shenzhen aufgezeigt. Innerhalb von nur 40 Jahren entwickelte sich die Sonderwirtschaftszone durch eine rasante Transformation vom einfachen Fischerdorf zur hochmodernen Millionenmetropole. Heute steht die Stadt an der Weltspitze der Innovation, was auch die UN-Patentbehörde in Genf offiziell bestätigt hat, indem sie Shenzhen zur innovativsten Stadt der Welt kürte.
Besonders in der Automobilindustrie zeigt sich die rasante Innovationsdynamik, der sprichwörtliche „China-Speed“: China hat sich im Bereich der Elektromobilität in den letzten Jahren eine international führende Position erarbeitet. Das Land baut mit BYD weltweit die meisten E-Autos und schickt sich nun an, auch beim autonomen Fahren eine globale Führungsrolle zu übernehmen.
Ein entscheidender Faktor für Chinas Zukunft ist die Demografie. Aufgrund der schrumpfenden Bevölkerung wird das Land bis Mitte der 2030er-Jahre massiv an Arbeitskräften verlieren. Da China sich bewusst gegen verstärkte Einwanderung entscheidet, setzt die Führung auf eine radikale Technologiestrategie: Der drohende Mangel soll durch den Einsatz humanoider Roboter ausgeglichen werden, die künftig in den Arbeitsalltag integriert werden.
In der anschließenden, von Saarlandbotschafter Peter Legner moderierten Diskussion wurde der Blick gezielt auf die deutsche Wirtschaft gerichtet. Legner, der das Land durch seine jahrzehntelange Expertise als Geschäftsführer vor Ort bestens kennt, lenkte die Debatte auf konkrete Praxisfragen und Kooperationsmöglichkeiten.
So verfügt Deutschland über eine exzellente Grundlagenforschung; da China meisterhaft darin ist, auf dieser Basis marktreife Produkte zu entwickeln, liegt hier großes Potenzial für strategische Partnerschaften. Auch der deutsche Mittelstand und die vielen Hidden Champions bieten wertvolle Anknüpfungspunkte. Allerdings gilt hierbei, dass China nur dann mit deutschen Unternehmen kooperiert, wenn diese Technologien oder Know-how bieten können, das im Land selbst noch nicht vorhanden ist. Um in Zukunft nicht auch in anderen Branchen den Anschluss zu verlieren – so wie es in Teilen der Automobilindustrie bereits geschehen ist –, benötigt Deutschland nach Ansicht der Experten dringend ein branchenübergreifendes Frühwarnsystem und deutlich mehr eigene Anstrengung.
Einig waren sich die beiden Referenten darin, dass ein sogenanntes „Decoupling“ (eine wirtschaftliche Entkopplung) von China weder realistisch noch sinnvoll ist. Stattdessen gaben Sieren und Legner den Unternehmen klare Handlungsempfehlungen mit auf den Weg:
China-Kompetenz aufbauen: Das verbreitete „China-Bashing“ muss aufhören. Stattdessen gilt es, echtes Wissen aufzubauen – am besten durch eigene Besuche vor Ort.
Realistische Wettbewerbsanalyse: Unternehmen müssen objektiv analysieren, wo sie im Vergleich zur chinesischen Konkurrenz stehen. Wo sind wir besser? Wo sind wir billiger? Nur so lassen sich tragfähige Strategien entwickeln.
Perspektiven wechseln & kooperieren: Es ist an der Zeit, die rein westliche Perspektive auf die Welt zu überwinden und den Blickwinkel zu weiten. Kooperation sollte überall dort gesucht werden, wo sie für beide Seiten gewinnbringend ist.
Die SHS Foundation bedankt sich herzlich bei der IHK Saarland für die erfolgreiche Kooperation sowie bei den Referenten Frank Sieren und Peter Legner für diesen inspirierenden und hochkarätigen Abend!
